Luke Johnson bäckt jetzt kleinere Brötchen


Im Juni vergangenen Jahres wurde die Muttergesellschaft der britischen Konditoreikette Patisserie Valerie an der Börse noch mit mehr als 500 Mio. £ bewertet. Nun ist das Unternehmen zahlungsunfähig. Der Serienunternehmer Luke Johnson, der Patisserie Holdings 2014 an das Wachstumssegment AIM der Londoner Börse brachte, bäckt nun kleinere Brötchen.

Andreas Hippin, London

Im Juni vergangenen Jahres wurde die Muttergesellschaft der britischen Konditoreikette Patisserie Valerie an der Börse noch mit mehr als 500 Mio. £ bewertet. Nun ist das Unternehmen zahlungsunfähig. (Bild: Simon Dawson / Reuters)

Im Juni vergangenen Jahres wurde die Muttergesellschaft der britischen Konditoreikette Patisserie Valerie an der Börse noch mit mehr als 500 Mio. £ bewertet. Nun ist das Unternehmen zahlungsunfähig. (Bild: Simon Dawson / Reuters)

Was für einen Unterschied ein paar Monate im Geschäft mit Kuchen und Torten doch ausmachen können: Im Juni vergangenen Jahres wurde die Muttergesellschaft der britischen Konditoreikette Patisserie Valerie an der Börse noch mit mehr als 500 Mio. £ bewertet. Nun ist das Unternehmen zahlungsunfähig. Der Serienunternehmer Luke Johnson, der Patisserie Holdings 2014 an das Wachstumssegment AIM der Londoner Börse brachte, bäckt nun kleinere Brötchen.

Ungewöhnlich hohe Margen

In einer regelmässigen Kolumne der «Sunday Occasions» hatte er gegen die Trottel und Schurken des Geschäftslebens vom Leder gezogen. Und ausgerechnet ihm conflict nicht aufgefallen, dass sich in der Bilanz der Gesellschaft ein schwarzes Loch aufgetan hatte – dem Wirtschaftsprüfer Grant Thornton auch nicht. Dabei sollten die Bilanzzahlen einer Konditorei nicht schwer zu durchschauen sein.

Nachdem sich auch eine Bäckereikette in seinem Portfolio befand, hätte ihm klar sein müssen, dass Patisserie Valerie nicht so stark gewachsen sein konnte wie behauptet. Auch dass die Margen in einem vorwiegend von älteren Mitbürgern besuchten Kaffeehaus nicht so hoch sein konnten wie bei Starbucks, erschliesst sich eigentlich von selbst. Die erste Patisserie Valerie eröffnete 1926 in Soho ihre Pforten. Zur Holding gehören auch die Marken Druckers Vienna Patisserie, Philpotts, Baker & Spice und Flour Energy Metropolis.

Finanzchef in Haft

Per Ende März 2018 hatte das Unternehmen noch liquide Mittel von 28,eight Mio. £ ausgewiesen. In Wirklichkeit stand der einstige Börsenliebling mit einer Nettoverschuldung von 9,eight Mio. £ zu Buche. Der ehemalige Finanzchef Chris Marsh wurde festgenommen, kam aber gegen Kaution wieder auf freien Fuss.

Das Severe Fraud Workplace leitete eine Untersuchung gegen ihn ein. Johnson bewahrte die Gesellschaft vor dem Untergang, indem er ihr einen zinsfreien Kredit von 10 Mio. £ und eine Brückenfinanzierung von 10 Mi0. £ zur Verfügung stellte. Er beteiligte sich zudem an einer Notkapitalerhöhung, die auf Grundlage der damals bekannten Falschdarstellungen in der Bilanz erfolgte. Wie sich herausstellte, waren die falschen Darstellungen in den Abschlüssen jedoch weit umfangreicher. Es gab Tausende unrichtiger Einträge in den Büchern.

Als Gespräche mit den Gläubigerbanken Barclays und HSBC über die Verlängerung einer Stillhaltevereinbarung ergebnislos verliefen, conflict im Januar Schluss. Johnsons Verlust aus dem Debakel wird auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Der Insolvenzverwalter KPMG schloss 70 Filialen. 121 werden weiterbetrieben, in der Hoffnung, dass sich dafür ein Käufer findet.

Mike Ashley, der Gründer der Textilkette Sports activities Direct, wollte gemäss der «Monetary Occasions» nur noch 15 Mio. £ dafür bezahlen. Als ihn KPMG um 2 Mio. £ mehr gebeten habe, sei er wieder abgesprungen. Der Turnschuhmilliardär hat in den vergangenen Jahren ein veritables Einzelhandelsimperium zusammengekauft.

Beim Kaufhausbetreiber Debenhams zeigte der Eigentümer des Fussballvereins Newcastle United bereits, dass er kein Mann der Kompromisse ist. Nachdem das Traditionsunternehmen einen von ihm angebotenen Kredit über 40 Mio. £ ausgeschlagen hatte, machte Ashley auf der Hauptversammlung reinen Tisch. Gemeinsam mit der Landmark Group des Retail-Tycoons Micky Jagtiani aus Dubai drängte der Grossaktionär sowohl Chairman Ian Cheshire als auch CEO Sergio Bucher aus dem Board.

Ashley will Debenhams näher an die von ihm vor der Pleite bewahrten Kaufhauskette Home of Fraser heranführen. Dort hatte er wenige Wochen nach der 90 Mio. £ schweren Übernahme das von CEO Alex Williamson geführte Administration komplett gefeuert und vollmundig angekündigt, die Marke zum «Harrods der Excessive Avenue» zu machen. Im November sicherte er sich den angeschlagenen Fahrradhändler Evans Cycles.

Auch Agent Provocateur, French Connection und Lillywhites gehören zu Ashleys Reich. Die vor kurzem von der kanadischen Dawn Information erworbene Musikkette HMV hätte intestine zum Computerspiele-Händler Recreation Digital gepasst, zu dessen grösstem Aktionär Ashley wurde, nachdem sich der Finanzinvestor Elliott Advisors verabschiedet hatte.

Grosse Lager für wenig Geld

Eine der Theorien, die in der Metropolis kursieren: Ashley werde am Ende kleine Kaufhäuser mit den von ihm zusammengekauften Marken eröffnen. Beim Erwerb der meist zahlungsunfähigen Unternehmen habe er grosse Lagerbestände für wenig Geld bekommen. Wegen der vielen Flächen, die sich nun unter seiner Kontrolle befinden, könne er den Immobiliengesellschaften bei den Mietverhandlungen Druck machen. Nur Kaffee und Kuchen passten dann doch nicht dazu.



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